Montag , 14. Juni 2021
Einblick in die Sammlerleidenschaft des Mario Calabria
Leidenschaft in Rosa. Der Wohnraum als Galerie. Foto: Roman März: Grisebach GmbH

Sonderauktion bei Grisebach: Die Sammlung Calábria

„Es war immer ein kleines Fest, wenn Mário Calábria, stets unangemeldet, aber regelmäßig zu den Vorbesichtigungen in die Villa Grisebach kam. Die Straße verdunkelte sich, und ein riesiger amerikanischer Straßenkreuzer bog in die Fasanenstraße ein, stets chauffiert von seiner deutschen Frau Ursula. So war es dann immer ein ungewöhnliches, lehrreiches Erlebnis, mit ihm durch die vier Etagen der Grisebach Vorbesichtigung zu gehen, führt sie doch stets ganz unterschiedliche Künstler verschiedener Stilrichtungen und Zeiten zusammen – er kannte sie fast alle und, was ich besonders bewunderte, er hatte ein untrügliches Auge“, schreibt Grisebach-Gründer Bernd Schultz in dem farbenprächtigen Katalog, der zur Sonderauktion der Sammlung Calábria veröffentlicht wurde. Am 4. Dezember kommt die umfangreiche Kunstsammlung des früheren brasilianischen Botschafters Mário Calábria in der Villa Grisebach unter den Hammer.

Der temperamentvolle Brasilianer war ein großer Freund und Kenner der Op-Art. „Als man ihm 1978 das Amt des Botschafters in Ost-Berlin anträgt, das in Diplomatenkreisen eher ungeliebt und als eine Art „Abschiebehaft“ betrachtet wird, jubelt Mario Calábria innerlich, denn für ihn, den Freund auch einiger ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler, bedeutet das gewissermaßen die Ankunft in seiner inneren Heimat. Bis 1985 führen seine Frau Ursula und er in Ost-Berlin wie schon vorher in München ein offenes Haus für Künstlerinnen und Künstler“, schreibt der Kunsthistoriker Martin Schmidt in dem Katalog.

„Bei Mário Calábria ging es immer um alles“

Er hatte ein tiefes Verständnis für die Kunst der DDR, vor allem für die aufmüpfgigen Einzelgänger. „Sein Interesse galt nicht der dortigen Staatskunst, sondernden nichtkonformistischen Einzelgängern. So unterhielt er unabhängig von diplomatischen Gepflogenheiten enge freundschaftliche Kontakte zu den Künstlern seiner Sammlung. Sein Status ermöglichte ihm, ihnen nicht nur mit Farbe, Leinwänden und Utensilien behilflich zu sein, die sonst in diesem Land schwer zubekommen waren, insbesondere für NICHT-Staatskünstler. Bei Mário Calábria ging es immer um alles,“ bringt es Bernd Schultz auf den Punkt.

Die Fotos aus den farbenprächtigen Innenräumen des Hauses Calábria in Berlin-Lichterfelde zeigen eindrucksvoll, dass seine Frau Uschi und er von all den Kunstwerken umgeben waren und keinen ihrer Lieblinge missen mochten. „Der Kerl hatte so gut an den Wänden komponiert, und dann noch in diesem verrückten Rosa“, sagt seine Tochter Vera Calábria mit einem Augenzwinkern.

Senhor Calábria baute eine Sammlung auf, die nicht nur seiner Leidenschaft entsprang, sondern auch einer sozialen Verantwortung, die Künstler materiell und ideell zu unterstützen. Schwerpunkt seiner Sammelleidenschaft war die abstrakte und konkrete Kunst, die mit bedeutenden Werken u.a. von Hermann Glöckner und Almir da Silva Mavignier vertreten ist. Martin Schmidt: „So präsentieren sich uns diese Werke als Auswahl eines undogmatischen Sammlerpaars, das an die Kraft der Kunst ebenso glaubte, wie es von ihr belebt wurde.“ Wir sagen obrigado für die Leidenschaft, für die Unterstützung der Aufmüpfigkeit und für das Rosa.