Mittwoch , 13. November 2019
Rovinj - die italienischste Stadt Istriens. Romantisch, mediterran, sophisticated. (Foto: Markus Haslinger)

NICHT NUR FÜR CASANOVAS UND OLIGARCHEN – Adria-Halbinsel Istrien

Wo mag sie nur herkommen, diese virilisierende Energie? Wenn es ein Reiseziel gibt, was das Attribut „männlich-markant“ verdient hätte, dann ist es die kroatische Adria-Halbinsel Istrien.

Giacomo Casanova hat sich in Vsrar aufgehalten, naja, sagen wir besser, versteckt – vor all diesen aufdringlichen und vergeltungssüchtigen gehörnten Ehemännern. Und im Hafen von Rovinj lässt kein Geringerer als Roman Abramowitsch seine Muskeln spielen: In den Sommermonaten liegt hier seine „Eclipse“, mit einer Länge von 162 Meter die aktuell zweitlängste Mega-Yacht der Welt, vor Anker. Die italienischste Stadt Istriens – immerhin war die einstige Inselstadt, die erst 1763 durch Aufschüttungen mit dem Festland verbunden wurde, von 1283 bis 1797 unter venezianischer Schirmherrschaft – gibt so richtig Gas. In diesem Jahr war erstmals das Red Bull Air Race, die schnellste Motorsportserie der Welt, nach der traditionellen Saison-Eröffnung in Abu Dhabi an der kroatischen Adria zu Gast.

Pole-Position Istrien, das derzeit ein beispielloses Rebirthing am internationalen Tourismusmarkt erlebt. Wer will, kann hier natürlich klassischen Badeurlaub genießen. Aber wer wird sich denn gleich so bescheiden? Zunehmend gewinnt das romantische Hinterland mit seinen Steindörfern und Weinstraßen an Bedeutung. Einzigartige Kulturdenkmäler machen Istrien auch in der Nebensaison zu einem begehrten Reiseziel. Und vor allem Genussmenschen kommen hier auf ihre Kosten.

Ölspuren zum Genuss

Istrien gilt als neuer Gourmet-Hotspot Europas. Von Mitte September bis Januar sind im Mirnatal etwa 1000 Istrianer mit ihren Hunden auf Trüffelpirsch, um in den Eichenwäldern des Mirnatales nach der kostbaren Aromaspezialität zu suchen. Dann beherrscht die weltberühmte weiße Trüffel auch die Speisenkarten.

Doch nicht nur die Tuber magnatum pico zieht Spürnasen ins Land. Italiens Olivenöl-Bibel Flos Olei hat in seiner aktuellen Ausgabe 48 Manufakturen der kroatischen Adria-Halbinsel unter die besten der Welt aufgenommen. Die Punkte von Flos Olei-Herausgeber Marco Oreggia haben in der internationalen Gourmetwelt ebensolches Gewicht wie jene von Robert Parker in der Weinwelt. Die geballte istrische Öl-Präsenz unterstreicht den enormen Qualitätssprung der kroatischen Manufakturen.

Istrien Restaurant Zigante
Lammkoteletts mit Roter Bete und schwarzen Sommertrüffel, Restaurant Zigante (Foto: Petr Blaha)

Für den internationalen Olivenölexperten Heinrich Zehetner, der gemeinsam mit Italiens Feinschmecker- legende Luigi Veronelli den strengsten Olivenölkodex der Welt entwickelt hat, sind Istriens Olivenöle in ihrer geschmacklichen Vielfältigkeit perfekt in der Küche einsetzbar. Auf speziell ausgeschilderten Olivenölstraßen kann man sich diese auch auf der Zunge zergehen lassen.
Ach ja, der Genuss. Istrien duftet nach honigsüßen Akazienblüten, Wildkräutern, Trüffelpilzen und Meer. Istrien schmeckt nach fruchtigem Malvazija, würzigem Pršut, aromatischem Käse. Istrien-Liebhaber kommen angesichts dieser Vielfalt zu recht ins Schwärmen. Aber nicht nur wegen des breiten Spektrums an Genussprodukten, sondern auch wegen der großen Restaurant-
auswahl. Hier die bodenständige Konoba, dort das hoch dekorierte Spitzenrestaurant. Da der urige Holzkohlengrill, dort der feine Trüffelhobel. Hüben die knorrige Holz-, drüben die Austernbank. Hier die Peka, die blecherne Grillhaube, dort die Haube von GaultMillau. Im einen Glas der ehrliche Landwein, im anderen das im Barrique veredelte Spitzengewächs.

Wer kulinarische Geheimtipps bevorzugt und sich nicht entmutigen lässt, diese auch auf den entlegensten Straßen zu finden, dem sei die Villa Meneghetti nahe Bale ans Herz gelegt. Olivenhaine und Weingärten, wohin das Auge reicht und mittendrin pittoreske Natursteinhäuser, in deren historischem Teil bereits im 18. Jahrhundert reisende Offiziere bewirtet wurden. 2001 restaurierte das Ehepaar Plišo das Gut und beschloss, dort Olivenöl und Weine kultivieren zu lassen, die es an die Weltspitze schaffen. Dabei setzt man konsequent auf Spezialisten, wie etwa den bekannten Önologen Walter Filiputti aus dem Friaul und der Erfolg lässt sich nicht vermeiden. Heute können Meneghetti-Weine auf der internationalen Bühne mithalten. Ein weinkulinarisches Gesamterlebnis bietet der Besuch des hauseigenen, von Gault-Millau mit zwei Hauben ausgezeichneten Restaurants.
Man braucht also nur seiner guten Nase zu folgen – und die Glückseligkeit liegt so nah.